Neue Dimension des Denkens

Interview mit Prof. Dr. Andreas Barner und Prof. Dr. Margret Wintermantel.

Eine Jury aus 15 Vertretern der Wissenschaft und Wirtschaft wählte anhand maßgeblicher Kritierien 15 Cluster als Spitzencluster aus den Bewerbungen heraus. Auch im weiteren Förderungsprozess begleitete die Jury mit ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz die Ausgestaltung der Spitzencluster-Strategie. Im Interview sprechen Jury-Mitglied Prof. Dr. Margret Wintermantel und der Juryvorsitzende Prof. Dr. Dr. Andreas Barner vom Stellenwert und Wirkungspotenzial des Spitzencluster-Wettbewerbs.

Welchen Stellenwert hat der Wettbewerb für die Forschung in Deutschland?
Margret Wintermantel:
Für mich hat der Wettbewerb Vorbildcharakter. Er schlägt eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und schafft so ein stimulierendes, innovationsfreundliches Klima, das dazu beiträgt, wissenschaftliche Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und die Versäulung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aufzuheben. Es ist interessant zu sehen, wie die Wissenschaft von dem Denken der Wirtschaft profitiert und umgekehrt.

Andreas Barner: Traditionell gehen in Deutschland die akademischen und die ökonomischen Disziplinen schon sehr auf Distanz zueinander. Der Wettbewerb hat das aufgelockert und eine Art – sagen wir – Aktivierungsenergie freigesetzt. Dadurch konnten um einen Kristallisationskern herum starke Kompetenzzentren zu einem Themenfeld entstehen, in denen sich Wissen und Anwendung optimal ergänzen und verstärken.

Wie beeinflusst der Wettbewerb die Forschung in den Spitzenclusterregionen?
Margret Wintermantel:
Schon in der Antragsphase zeigen sich positive Effekte: Forschungspartner suchen und finden sich, Kooperationen werden verabredet, es entsteht eine dynamische Atmosphäre. Darüber hinaus trägt der Wettbewerb auch zu einer Profil- und Schwerpunktbildung in der Clusterregion bei, die auch nach Ende des Wettbewerbs Bestand haben wird.

Andreas Barner: Die Unternehmen setzen sich heute viel stärker mit Ideen aus dem akademischen Bereich auseinander. Das ist wichtig, denn wenn unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entsteht neues Denken und damit Mehrwert für die Unternehmen. Alle Interaktionen im Cluster verstärken die Vernetzung von Menschen. Und dies mit nachhaltigem Effekt, denn wer die Ergebnisse einer erfolgreichen, branchenübergreifenden Zusammenarbeit sieht, wird auch weiterhin davon profitieren wollen. Deshalb werden von den Clustern auch über den Förderzeitraum hinaus wesentliche Impulse sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen als auch für die Entwicklung von Forschungsthemen ausgehen.

Was hat Sie am Wettbewerb meisten beeindruckt?
Margret Wintermantel: Mich fasziniert besonders, wie sich einzelne Cluster durch die kluge Nutzung von Synergien zu national und international sichtbaren Impulsgebern im jeweiligen Forschungsfeld entwickelt und damit eine regelrechte Aufbruchstimmung in ihrer Region erzeugt haben.

Andreas Barner: Für mich ist es die starke Vernetzung. Das ist genau das, was wir mit dem Wettbewerb erreichen wollten. Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus Unternehmen und Wirtschaftlern aus der akademischen Welt hat eine ganz andere Dynamik bekommen. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren sicherlich fortsetzen.

Wie wird der Wettbewerb international wahrgenommen?
Margret Wintermantel: Als deutliches Signal dafür, dass Deutschland stark in Innovation und Spitzenforschung investiert, regionale Stärken fördert und große Anstrengungen unternimmt, um ein positives Innovations- und Gründerklima zu schaffen und weiter auszubauen.

Andreas Barner: In Europa interessiert man sich sehr für die Clusteridee und das Förderinstrument des Spitzencluster-Wettbewerbs, denn der erfolgreiche Wettbewerb erzeugt nicht nur eine neue Dynamik, sondern eine neue Dimension des Denkens und der Zusammenarbeit.